{"id":930,"date":"2021-04-24T21:21:07","date_gmt":"2021-04-24T21:21:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umsvieh.at\/?p=930"},"modified":"2021-04-26T17:13:21","modified_gmt":"2021-04-26T17:13:21","slug":"hurra-bauern-spritzen-keine-gifte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umsvieh.at\/?p=930","title":{"rendered":"Hurra! Bauern spritzen keine Gifte!??"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein bahnbrechendes Urteil des Bezirksgerichtes Graz \u2013 Ost:&nbsp;\u201eNamhafte Europarechtsexperten kamen zum Schluss, dass ein Totalverbot von&nbsp;Glyphosat nicht m\u00f6glich ist. Sohin ist die Bezeichnung \u201eGift\u201c f\u00fcr Glyphosat jedenfalls unzul\u00e4ssig! &nbsp;Die Landwirtschaft braucht Glyphosat, also ist es kein Gift.&nbsp;Es sind ja keine Mediziner oder Chemiker die das gesagt haben sondern Rechtsexperten. Denen muss man glauben. Doch der Reihe nach.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da gibt es die IST, die Initiative&nbsp;SteirerInnen gegen Tierfabriken. Sie hilft u.a. Betroffenen &nbsp;in beh\u00f6rdlichen Verfahren betreffend Massenst\u00e4llen und arbeitet&nbsp;auch propagandistisch gegen Tierfabriken\u0010. So hatte sie vor zwei Jahren in zwei kleinen St\u00e4dten, Gleisdorf und Leibnitz, in der &nbsp;an Mais und &nbsp;Schweine-&nbsp;Konzentration reichen s\u00fcdlichen Steiermark ein paar gro\u00dffl\u00e4chige Plakate geklebt. Die zeigten ein Feld einen Traktor und einen Mann in Gasmaske und dazu&nbsp;den Text:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;\u201eGott sch\u00fctze uns vor giftspritzenden Bauern! Keine Keime und Antibiotika auf den Tellern unserer Familien! Schluss mit der Gef\u00e4hrdung von Mensch, Tier&nbsp;und Umwelt durch die giftunterst\u00fctzte Landwirtschaft!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Plakate f\u00fchrten zu Emp\u00f6rung in einigen Bauernkreisen. Die Landwirtschaftskammer erwog laut Medien gerichtliche Schritte, \u00fcberlegte es sich dann&nbsp;aber, vielleicht kamen ihr ihre Biobauern in den Sinn. Anders der steirische Bauernbund, eine Teilorganisation der \u00d6sterreichischen Volkspartei. Der erhob&nbsp;&nbsp;gegen den Verantwortlichen der Aktion. &nbsp;den Umweltaktivisten Franz S\u00f6lkner&nbsp;Zivilklage auf Unterlassung und Widerruf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass in der Landwirtschaft mitunter so menschensch\u00e4dliche Mittel verwendet werden, dass Maskenschutz erforderlich ist, ist l\u00e4ngst bekannt. Pestizideinsatz ist&nbsp;kein Geheimnis, auch nicht dass M\u00f6hren und Erd\u00e4pfel h\u00e4ufig vor der Ernte mittels chemieschen Mitteln&#8216; entkrautet \u2018 werden. Auch wei\u00df man, dass \u00c4pfel zu den vielmals gespritzten Lebensmitteln geh\u00f6ren. Auch der Antibiotika \u2013 Einsatz in &nbsp;Massenstellen ist bekannt, ebenso dass Antibiotikaresistenz in der&nbsp;Massentierhaltung zu einem Problem werden kann. Erinnern Sie sich noch an die Chlorhendln &nbsp;im Streit um das Handelsabkommen zwischen EU und USA?&nbsp;&nbsp;Besondere Vorsicht beim zerlegen unserer heimischen Brath\u00e4hnchen predigen Hygieniker, das Messer vor weiterem Gebrauch ja gr\u00fcndlich reinigen. Damit es&nbsp;nicht zu \u00dcbertragung von Keimen kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4ltere erinnern sich vielleicht noch an DDT. Gleich nach dem zweiten Weltkrieg. Welch Begeisterung, endlich ein Wundermittel gegen&nbsp;sch\u00e4dliche Insekten und&nbsp;damit gegen die von ihnen \u00fcbertragenen Krankheiten. 1962 erschien dann \u00b4Silent Spring\u2018, &nbsp;deutsch \u2018Der stumme Fr\u00fchling\u2018 der amerikanischen Biologin Rachel&nbsp;Carlson. Ein Bericht \u00fcber die Schattenseiten der Verwendung von DDT und anderen &nbsp;Chemikalien in der Natur. Das Werk gilt als Ansto\u00df f\u00fcr die weltweite&nbsp;Umweltbewegung. Das Mittel ist schon l\u00e4ngst nicht mehr erlaubt. Auch manch anderes einst gepriesenes Pestizid endete auf der Verbotsliste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ein Gerichtsprozess w\u00e4re eine wundersch\u00f6ne Gelegenheit, das Thema aufzuarbeiten. Ist all das war, was da gesagt wurde? Wie viele gef\u00e4hrliche Stoffe&nbsp;werden wirklich in der Landwirtschaft verwendet, wo und in welchem Ausma\u00df? Was und wie viel bleibt in den Lebensmitteln was sind die Grenzwerte?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider, Fehlanzeige. Vorweg, die Einzelrichterin gab der Klage des &nbsp;Bauernbundes voll inhaltlich recht.&nbsp;Aus dem Urteilsspruch:&nbsp;&nbsp;\u201eDie beklagte Partei ist &#8230; &nbsp;schuldig, es &#8230; &nbsp;zu unterlassen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 Werbeplakate aufzustellen, welche den Bauernstand als Giftspritzer oder dem \u00e4hnlichen bezeichnen, sowie<br>\u2022 zu unterstellen, dass der Bauernstand Produkte mit gesundheitssch\u00e4digenden Keimen erzeugt und vertreibt und<br>\u2022 der Landwirtschaft zu unterstellen, sie f\u00f6rdere den Einsatz von Gift\u201c.&nbsp;Stand das wirklich alles auf dem Plakat? &nbsp;Weiters verpflichtete das Gericht den Beklagten zu&nbsp;Widerruf, berichtigende Plakate in Gleisdorf und Leibnitz und &nbsp;&#8211; ein besonders schwerer finanzieller Schlag &#8211; zur Ver\u00f6ffentlichung des Urteilsspruchs in der Kleinen Zeitung, weil diese \u00fcber den Prozess berichtet hatte. Eine Drittel&nbsp;Zeitungsseite, das kostet. &nbsp;Eine Mahnung an Umweltaktivisten, gegen die Gro\u00dfen nicht auf zu mucken und brav still zu halten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Sachverst\u00e4ndigen das Gericht h\u00f6rte, welche Beweise es &nbsp;aufnahm, blieb der \u00d6ffentlichkeit leider verborgen. Laut Kleine Zeitung fand die Verhandlung unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit statt. Der Wortlaut der Urteilsbegr\u00fcndung liegt&nbsp;uns nicht vor. Wir k\u00f6nnen uns nur auf einen verst\u00e4ndlicherweise frohllockenden Bericht in der&nbsp;Zeitung des Bauernbundes und eine herbe, sehr herbe Kritik des Urteils durch DDr. Balluch, den Obmann des &nbsp;vereins&nbsp;gegen Tierfabriken, st\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niemand wirft Bauern vor, sie w\u00fcrden Giftspritzen um Konsumenten zu sch\u00e4digen oder absichtlich keine auf deren&nbsp;Tellern platzieren. Die heimische Landwirtschaft folgt einfach dem weltweiten Druck, Lebensmittel in m\u00f6glichst gro\u00dfen&nbsp;Mengen und m\u00f6glichst billig zu produzieren.&nbsp;Wie es der Bauernbund in seinem Prozessbericht auch zugibt, in dem er&nbsp;aus der Urteilsbegr\u00fcndung zitiert:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2018Vielmehr sei gerade aus dem Gesichtspunkt der Bek\u00e4mpfung von Keimen und anderen Krankheitserregern die Bauernschaft dazu gezwungen,&nbsp;Pflanzenschutzmittel und Medizin (ohne deren Hilfe ein gro\u00dfer Bestand von Nutzvieh verenden w\u00fcrde) in geregelten Ma\u00dfen einzusetzen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer das Gasmasken \u2013 Plakat sieht, kommt sicher nicht auf die Idee, die Landwirte w\u00fcrden ihre \u00c4pfel so pr\u00e4parieren, wie es die b\u00f6se Stiefmutter tat. Wir wissen alle, unsere Bauern m\u00f6chten Schneewittchen nicht umbringen und das kaufende Publikum auch nicht. Was uns Konsumenten st\u00f6rt, ist das gro\u00dfe Schweigen der Agrarindustrie \u00fcber den Einsatz chemischer Mittel &#8211; &nbsp;mag man die &nbsp;nun Gift oder \u2018kaum bek\u00f6mmlich\u2018 nennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;\u201eW\u00fcrde man uns K\u00e4uferinnen und K\u00e4ufern sagen, dieser &nbsp;Apfel hat deshalb so eine so glatte makellose Schale, weil er von der Bl\u00fcte an beispielsweise 18mal gespritzt wurde, dann k\u00f6nnten wir &nbsp;uns \u00fcberlegen, vielleicht doch lieber den anderen mit dem weniger ansprechenden Teint zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Glyphosat ist heftig umstritten. Ernst zu nehmende Mediziner, vor allem aus den Soja-Anbaugebieten in S\u00fcdamerika haben schwere Vorw\u00fcrfe erhoben. Der Kampf um das Verbot muckt hin und her. Wenn das Gericht sagt, die Landwirtschaft braucht Glyphosat und all die andere Chemie, darum darf man sie nicht Gift nennen, so scheint das wohl etwas einfach gedacht. Warten wir ab, bis die zweite Gerichtsinstanz entschieden hat.<br>\u00dcbrigens, brauchen wir \u00fcberhaupt so viel Chemie? Gibt es nicht Bio?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erwin Lauppert<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier noch die Links&nbsp;zur Bauernbund. Zeitschrift &nbsp;<a href=\"https:\/\/www.stbb.at\/klage-des-bauernbundes-war-erfolgreich\/\">https:\/\/www.stbb.at\/klage-des-bauernbundes-war-erfolgreich\/<\/a><br>und zu <a href=\"https:\/\/martinballuch.com\/skandal-urteil-ngo-soll-bitte-gott-schuetze-widerrufen\/\">DDr. Baluch&nbsp;Skandal-Urteil: NGO soll die Bitte \u201eGott sch\u00fctze uns \u2026\u201c widerrufen!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein bahnbrechendes Urteil des Bezirksgerichtes Graz \u2013 Ost:&nbsp;\u201eNamhafte Europarechtsexperten kamen zum Schluss, dass ein Totalverbot von&nbsp;Glyphosat nicht m\u00f6glich ist. 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