{"id":706,"date":"2020-05-29T23:31:25","date_gmt":"2020-05-29T23:31:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umsvieh.at\/?p=706"},"modified":"2020-06-27T01:48:04","modified_gmt":"2020-06-27T01:48:04","slug":"schiessen-schaufeln-schweigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umsvieh.at\/?p=706","title":{"rendered":"Bald 1.000 W\u00f6lfe in \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit 1.000 W\u00f6lfen werden wir in \u00d6sterreich bald rechnen d\u00fcrfen, meint Prof. Klaus &nbsp;Hackl\u00e4nder. Sie vermehren sich exponentiell. F\u00fcr den Menschen sei der Wolf eigentlich nicht gef\u00e4hrlich. Doch sollten Wanderreiter &nbsp;Wolfsgebiete eher meiden, Erwachsene dort im Wald nachts &nbsp;nicht spazieren, Kinder allein auch tags\u00fcber nicht &nbsp;und in &nbsp;der D\u00e4mmerung besser nicht allein zu einsamen Schulbus-Haltestellen. So der Wildbiologe und Professor an der Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur Wien k\u00fcrzlich Gast in der Sendung Punkt Eins im Radio. Nachzulesen in seinem gerade erschienenen Buch &#8222;Er ist da. Der Wolf kehrt zur\u00fcck&#8220;. Anlass f\u00fcr die Themenwahl waren neben diesem Werk j\u00fcngste Wolfsbesuche im Zillertal und anderen &nbsp;Gegenden unserer Alpen sowie am Berliner Stadtrand.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Exponentiell: Das erste Wolfsp\u00e4rchen siedelte sich in Deutschland &nbsp;vor zwanzig Jahren an, jetzt sind es im Osten und Norden des Landes schon 130 Rudel (Paare) ans\u00e4ssig. Nach \u00d6sterreich kam das erste P\u00e4rchen 2016, letztes Jahr waren schon 30 oder 35&nbsp;da. Bei&nbsp; einiger Vorsicht ist nach Hackl\u00e4nder Zusammenleben mit dem R\u00e4uber durchaus m\u00f6glich, selbst Freilandhaltung \u2013 vorausgesetzt die Konsumenten oder der Staat (also wir alle) zahlen die unvermeidlichen Mehrkosten. Eher schwarz sieht der Professor f\u00fcr die Almwirtschaft, Schutz der Weidetiere sei dort schwierig, wenn nicht praktisch der hohen Kosten wegen unm\u00f6glich. Da sei zu bef\u00fcrchten, dass Bauern genervt durch Wolf und Kuhurteil die ohnedies kaum mehr rentable Almwirtschaft aufgeben und die Almen zuwachsen.&nbsp;<br>Aus Sicherheitsgr\u00fcnden wichtig w\u00e4re &nbsp;es &nbsp;\u2013 wie in Wolfsl\u00e4ndern fr\u00fcher \u00fcblich, Tiere die menschlichen Siedlungen zu nahe kommen abzuschie\u00dfen, um &nbsp;das Wolfsvolk menschenscheu zu halten. Der derzeit normierte absolute Schutz &nbsp;sei nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df, da von einer Gef\u00e4hrdung der Art keine Rede mehr sein k\u00f6nne. &nbsp; Eine Gesetzes\u00e4nderung erfordere allerdings Einstimmigkeit in der EU, die schwerlich zu erreichen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist die Problematik \u00fcberbordenden Schutzes. Weil &nbsp;Abwehr verboten ist, haben die Leute Angst. Frauen fragen sich: Der Professor wei\u00df, W\u00f6lfe greifen im Wald nur Kinder an, keine Erwachsenen. Wei\u00df das auch der Wolf? Und gehen lieber nicht mehr Schwammerln suchen. M\u00fctter fragen sich: Ist der Wolf wirklich nur im tiefen Wald gef\u00e4hrlich? Und lassen ihre Kinder auch nicht auf die Flur und vorsichtshalber &nbsp; nicht einmal in den Garten, wenn der &nbsp;Wald nahe ist. Und fluchen auf die Politiker, denen das Raubtier mehr wert ist als ihre Kinder. Die Bauern dagegen wissen eines genau: Den Wolfschaden bekommen sie, wenn \u00fcberhaupt nur zum geringen Teil ersetzt, nicht anders bei den Sicherungskosten \u2013 und lassen &nbsp;das Vieh im Stall. Freilandhaltung ade.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schie\u00dfen, shaufeln, schweigen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Radiosendung &nbsp;kamen auch die vier oder drei &#8222;S&#8220; zur Sprache, den verp\u00f6nten Slogan &#8222;Sehen, schie\u00dfen, schaufeln, schweigen&#8220;, vom amerikanischen &#8222;shoot, shovel , shut up&#8220; \u00fcbernommen. Als der Salzburger Landeshauptmann vor zwei Jahren in einer mehr l\u00e4ndlichen Versammlung der Wortfolge Erw\u00e4hnung tat, war ein emp\u00f6rter &#8222;Offener Brief&#8220; &nbsp;des Wolfsprotektor &nbsp;Prof. Kotrschal die Folge, ebenso erging es einem Walliser Stadtrat letztes Jahr. R\u00fccktrittsforderungen zuhauf. Anders 2018, als in einer Podiumsdiskussion zu &#8222;Wolf und Almwirtschaft&#8220; vor 850 Teilnehmern, meist Bauern und J\u00e4ger, ein Schweizer Bauer meinte, die einzig brauchbare L\u00f6sung seien die drei S: tosende Applaus. Ja, des einen Terrorist, des anderen Freiheitsk\u00e4mpfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist bekannt, Verzweiflung, Emp\u00f6rung, Wut, Angst, Hoffnungslosigkeit &nbsp;k\u00f6nnen Menschen verleiten, gegen Recht und Gesetz zu versto\u00dfen. Bei &nbsp;Landwirten und J\u00e4gern spielen nat\u00fcrlich &nbsp;wirtschaftliche Verluste, die bis zur Vernichtung der Existenzgrundlage f\u00fchren k\u00f6nnen, eine gro\u00dfe Rolle. Jagden sind ja &nbsp;auch Wirtschaftsunternehmen, Rehe, Hirsche faktisch in Freiland gehaltene Nutztiere. Bedenkt man, dass ein Wolfsrudel im Jahr so an die 900 Reh-\u00c4quivalente fressen kann, veranschaulicht das die \u00f6konomische Bedeutung des Wolfs. Nat\u00fcrlich begn\u00fcgt sich der Beutegreifer, wenn nichts andres da ist, mit M\u00e4usen, Spaghetti &nbsp;(so h\u00f6rte man vom Appeninenwolf) oder Haushunden (Nicht umsonst empfehlen die &nbsp;Beh\u00f6rden in Alaska &nbsp;dringend, Hunde n\u00e4chtens ins Haus zu nehmen).<br>Nicht nur Bauern und M\u00fctter in Wolfsgebieten haben einfach Angst. Manche Tierfreunde hegen tiefen Groll gegen die Politiker, die sie f\u00fcr Tierqu\u00e4ler halten, weil sie den Wolf werken, Angst und Schrecken &nbsp;verbreiten lassen. Zwei &nbsp; Jahrhunderte konnten &nbsp;Weidetiere in Frieden leben, Rehe hatten ihre Schonzeiten, beh\u00f6rdliche Abschusspl\u00e4ne beschr\u00e4nkten die T\u00f6tung. Jetzt muss das Wild in st\u00e4ndiger Furcht leben, es gibt keine Schonzeiten mehr, Rehkinder und ihre M\u00fctter sind schutzlos &nbsp;dem R\u00e4uber ausgeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bewegt viele St\u00e4dter f\u00fcr den Wolf einzutreten? Ist der Artenschutz das Motiv? &nbsp;Der Wunsch die gute alte Zeit wiederzubeleben. Warum dann gerade der Wolf und nicht die fast ausgestorbene Hausratte ( siehe den Beitrag &#8222;Zweierlei Ma\u00df&#8220;). Diesem possierlichen Tierchen &nbsp;k\u00f6nnte man in der eigenen Wohnung beim Nagen zuschauen. &nbsp;Warum nicht der Auerochs, der Wisent? Es gibt da schon gute R\u00fcckz\u00fcchtungen. Oder wenigstens der Waldrapp, der tut weder &nbsp;Bauern noch &nbsp;St\u00e4dtern weh. Weshalb h\u00f6rt man von dem so gut wie nichts?<\/p>\n\n\n\n<p>Ist Ehrfurcht vor dem Leben der Grund, den Wolf zu sch\u00fctzen, &nbsp;die sittliche Pflicht, dem Gebot &#8222;Du sollst nicht t\u00f6ten&#8220; gehorsam zu sein? Schwer zu glauben bei einer Bev\u00f6lkerung, die Jahr f\u00fcr Jahr 100 Millionen Tiere abschlachten l\u00e4sst, um sie ohne Not aufzuessen, ja sogar daran zu \u00fcberessen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist es einfach der Nationalstolz: Hurra, wir haben W\u00f6lfe!. So wie viele stolz sind, dass wir tolle Alpin-Skil\u00e4ufer haben, mit Goldmedaillen; w\u00e4hrend L\u00e4nder ohne Schneeberge das nicht haben. &nbsp;<br>\u00dcbrigens noch was anderes: &nbsp;Hackl\u00e4nder meint, alle W\u00f6lfe hier haben auch Hundegene, und Haushunde &nbsp;solche vom Wolf. Wann wird &nbsp;der Wolf zum Hund, wann der zum Wolf?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sei dem alles wie es sei. &nbsp;Das Wolfsregime ist rechtlich abgesichert, wird von den ma\u00dfgeblichen Politikern gest\u00fctzt von vielen St\u00e4dtern getragen. Was k\u00f6nnen da die Geplagten, was k\u00f6nnen Menschen, die auch die anderen Tiere m\u00f6gen, tun? Sie d\u00fcrfen traurig sein. Das ist erlaubt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Erwin Lauppert  30.5.2020&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nachtrag, 7.6.2020:  Am 1. Juni wurde  in Gaishorn im Paltental (Bezirk Liezen) einem vier Tage altem K\u00e4lbchen vermutlich von einem Wolf Herz und Lunge herausgefressen. DAs Ergebnis der DNA-Untersuchung steht noch aus. Zuvor fielen  in der Steiermark laut DNA-\u00dcberpr\u00fcfung einem Wolf  zum Opfer: Mitte Mai im Bezirk Liezen ein Schaf, in Voitsberg (Weststeiermark) Mitte April elf Schafe, in Spielberg (Oberes Murtal) in besiedeltem Gebiet drei Schafe.  &#8211;  Um den 23.Juni wurde ein 300 kg schweres Jungrind auf einer Alm bei Trofaiach (n\u00f6rdlich Leoben, Obersteiermark) den Spuren nachvon einem, m\u00f6glicherweise sogar zwei  W\u00f6lfen get\u00f6tet.  Der steiriswche Lanwirtschaftskammerpr\u00e4sident  fordert jetzt eine Abschussgenehmigung, der WWF ist dagegen. 26.6.2020<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit 1.000 W\u00f6lfen werden wir in \u00d6sterreich bald rechnen d\u00fcrfen, meint Prof. Klaus &nbsp;Hackl\u00e4nder. Sie vermehren sich exponentiell. F\u00fcr den Menschen sei der Wolf eigentlich nicht gef\u00e4hrlich. 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