{"id":624,"date":"2020-01-24T21:52:39","date_gmt":"2020-01-24T21:52:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umsvieh.at\/?p=624"},"modified":"2020-01-28T17:24:51","modified_gmt":"2020-01-28T17:24:51","slug":"loewen-baeren-und-keine-kuehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umsvieh.at\/?p=624","title":{"rendered":"L\u00f6wen, B\u00e4ren und keine K\u00fche"},"content":{"rendered":"\n<p>Milchk\u00fche und ihre K\u00e4lber&nbsp; \u2013 Stiefkinder im Tierschutz.Wenistens ein Teil unserer Milchsklavinnen&nbsp; h\u00e4ttee ein besseres Leben, n\u00e4hme sich ein gro\u00dfer Tierschutzverein ihrer an.&nbsp; Nicht wenige KonsumemtInnrn haben&nbsp; ein Herz f\u00fcr K\u00e4lbchen.&nbsp; Sie wollen nicht schuld sein, dass Mutter und Kuhbabv auseinander gerisssen werden. Doch leider, Milch aus muttergebundener K\u00e4lberaufzucht gibt es nicht in den Lebensmittelm\u00e4rkten. Es br\u00e4uchte nicht viel, um so ein Milchprojekt zu starten.&nbsp;Engagement, viel Werbung in den Vereinsaussendungen und ein bisschen Geld f\u00fcr den Anfang, f\u00fcr einen gro\u00dfen Verein an sich kein Problem. Wird sich einer finden?&nbsp; Wollen wir Wesen, die uns dienen m\u00fcssen, als Sklaven qu\u00e4len oder sie anst\u00e4ndig behandeln?<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ein Beitrag zum Themenkreis, erschienen vor acht Jahren in der Zeitschrift anima:<\/p>\n\n\n\n<p>:&nbsp;Die \u00d6sterreicher haben ein Herz f\u00fcr Tiere, f\u00fcr manche wenigstens. Zahllose Tierschutzvereine beweisen es. Da gibt es gro\u00dfe und kleine, reiche (wenige), arme, sehr arme (viele). Wie in jeder gro\u00dfen&nbsp;Herde gibt es vielleicht auch das eine oder andere schwarze Schaf, gro\u00df oder klein, das mehr an seine Vorstandsmitglieder denkt als an Tiere. Es empfiehlt sich zu pr\u00fcfen, ehe man spendet. Die meisten aber engagieren sich intensiv, in steter flei\u00dfiger m\u00fchevoller Kleinarbeit, viele ohne Aufsehen, einige lieben das Aufsehen und sonnen sich im Glanz eigener oder fremder Verdienste. Die ganze Palette menschlicher Charaktere findet sich auch im Tierschutz.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeitsschwerpunkte spiegeln das weite Feld der Tierschutzprobleme wieder. Gro\u00df ist die Zahl derer, die sich um einzelne Tiere in Not k\u00fcmmern, ob in Tierheimen oder privat; ein arbeits-und kostenintensives Gesch\u00e4ft, Tag f\u00fcr Tag ohne Pause, daher meist in Geldnot. Da haben es die Gruppen, die ohne den Ballast eines Asyls sich der Bewusstseinsbildung widmeno der Kampagnen f\u00fchren, leichter. Sie k\u00f6nnen die Aktivit\u00e4ten ihren finanziellen und personellen M\u00f6glichkeiten anpassen. Die Vielfalt der Tierwelt und ihre N\u00f6te zeigen die mannigfachen Vereinsziele. Fast jede Tierart findet ihren speziellen Protektor, ob Kaninchen, ob Papageien, ob Pferde und nat\u00fcrlich die liebsten Gef\u00e4hrten, Hunde und Katzen. Die weite Welt ist zu Gast, Resolutionen und Petitionen zeigen Missst\u00e4nde im Ausland auf und bedr\u00e4ngen dortige Entscheidungstr\u00e4ger, Aktivisten versuchen an Ort und Stelle Leid zu lindern; von Gr\u00f6nland bis Mauretanien, von Kanada nach S\u00fcdafrika; fast um den Erdball f\u00fchren die Aktivit\u00e4ten. Internationale Solidarit\u00e4t ist wichtig, Unterst\u00fctzung der wenigen aktiven Tierfreunde in gegen\u00fcber Tieren gleichg\u00fcltigen L\u00e4ndern. Manchmal scheint es allerdings, die Liebe zum Fernsten \u00fcbertreffe die Liebe zum N\u00e4chsten, der Tod von Robbenkindern in Kanada ber\u00fchre mehr als der von Rehkitzen in \u00d6sterreich. 70.000 werden hier jedes Jahr zur Wildtandsregulierung geschossen, lauter herzige kleine Bambis. Bittet mich vor Jahren eine Dame auf einer Aktivistenkonferenz um eine Unterschrift gegen den Stierkampf. \u201eGern, gn\u00e4dige Frau, doch unter uns gesagt, h\u00e4tte ich die Wahl, w\u00e4re ich lieber ein spanischer Kampfstier als ein \u00f6sterreichischer Maststier.\u201c Darauf die Dame treuherzig: \u201eAch geht es denen so schlecht?\u201c Hoffen wir, es hat sich zwischenzeitlich herumgesprochen, dass in unserer Viehhaltung manches zum Himmel stinkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gesagt, Tierfreunde k\u00e4mpfen \u2013 jeder dort wo es ihm Herzensanliegen ist \u2013 zersplittert an den verschiedensten Fronten, meist gegen \u00fcberm\u00e4chtige Gegner, h\u00e4ufig hoffungslos unterlegen und so ziemlich erfolglos.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gib es Stimmen, die sagen, erfolgversprechender w\u00e4re es, die Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln und auf wenige doch erreichbare Ziele zu richten. Das mag sein. Doch cine Vielfalt sachlicher Interessen und menschlicher Charaktere unter einen Hut zu bringen, ist ein gar schwieriges Unterfangen. Der Ethiker Peter Singer erz\u00e4hlt davon aus Amerika in \u201eHenry Spira und die Tierrechtsbewegung\u201c (Harald Fischer Verlag 2001; englisch \u201eEthics into action\u201c 1998). Manchmal kann es gelingen. Beispiele aus unserem Land: vor einem Vierteljahrhundert das Tierversuchsgesetz, dann 1996 das Tierschutz-Volksbegehren, das 2004 ins Bundes-Tierschutzgesetz m\u00fcndete, und k\u00fcrzlich das leider nur m\u00e4\u00dfig erfolgreiche Bem\u00fchen um Abschaffung der Schweine-Kastenst\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Tierschutzvereine brauchen, um helfen zu k\u00f6nnen, nat\u00fcrlich Geld. Der Spendenmarkt ist hart umk\u00e4mpft, gro\u00dfe Vereine k\u00f6nnen sich professioneller psychologischer Hilfe bedienen: Wie r\u00fchre ich die Menschen, wie bringe ich sie zum Spenden. Namenloses Massenelend ist dazu ein weniger geeignetes Mittel. Man kann \u2013 sagt der fr\u00fchere Z\u00fcrcher Tieranwalt Antoine F. Goetschel in seinem j\u00fcngst erschienenen Buch \u201eTiere klagen an\u201c (siehe Seite 17) in etwas anderem Zusammenhang \u2013 offenbar seinen Hund lieben und auch die t\u00e4gliche Portion Fleisch auf dem Teller. Wahrscheinlich deshalb, weil sich die Liebe nur auf bekannte nahe stehende Wesen richtet, nicht auf anonyme \u201averarbeitete\u2019 Individuen.\u201c Dem gequ\u00e4lten Tanzb\u00e4ren namens Brummi, der miserabel gehaltenen L\u00f6win Lio ein gutes Zuhause zu schaffen, solchen Projekten \u00f6ffnen sich Herz und Geldb\u00f6rse eher als f\u00fcr Vorhaben anonymen Massentieren das Leben zu erleichtern. Erinnern Sie sich an Yvonne, die Kuh die entflohene? Wochenlang bangten die Tierfreunde. Von ihren 500.000 Artgenossinnen, fast alle ohne Weide oder ein Dreivierteljahr angekettet, redete kaum wer.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben Tierschutzvereine f\u00fcr fast alles, nur bei den K\u00fchen hapert\u2019s. Die Vegetarier der veganen Richtung wollen die Radikall\u00f6sung, Verzicht auf Milch, ein lobenswertes Ziel; leider hilft es den K\u00fchen wenig, weil nur ein paar Promille oder, hoffen wir es, ein paar Prozent der Menschen auf Milch verzichten wollen. Wohl gibt es gelegentlich Protestdemonstrationen, nur machen die auf die Ma\u00dfgeblichen wenig Eindruck, die wollen und m\u00fcssen auf ihre 35.000 Milchbauern achten. Generelle Haltungsverbesserungen sind derzeit nicht durchsetzbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer ist schuld? Die Profitgier der Bauern, der Handelsketten? Das w\u00e4re ein zu billiges Argument. Wenn Profitgier, dann der Drang der Mehrheit der Konsumenten zum niedrigsten Preis. Ein Liter Milch kostet z.B. bei Hofer 89 c. Da ist eine bessere Haltung einfachnicht drin. Die Zur\u00fcckzumUrsprung-Milch kostet 1,05, damit l\u00e4sst sich ein bisschen verbessern aber nicht viel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin \u00fcberzeugt, es gibt nicht wenige Tierfreunde, die bereit sind f\u00fcr den Liter Milch 1,50 oder 1,90 \u20ac zuzahlen, wenn das den Tieren ein anst\u00e4ndigeres Leben br\u00e4chte. Sie k\u00f6nnen es nur nicht, weil es die Milch nicht gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich war es vor 25 Jahren. Als wir uns damals bem\u00fchten, das Freilandei in die Kettenl\u00e4den zu bringen, sagten uns alle Schiffbruch voraus. Ein Ei, fast doppelt so teuer wie das K\u00e4figei,,das kauft doch keiner. Es wurde gekauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Es br\u00e4uchte nicht viel, um so ein Milchprojekt zu starten. Engagement, viel Werbung in den Vereinsaussendungen und ein bisschen Geld f\u00fcr den Anfang, f\u00fcr einen gro\u00dfen Verein an sich kein Problem. Wird sich einer finden?<\/p>\n\n\n\n<p>Wollen wir Wesen, die uns dienen m\u00fcssen, als Sklaven qu\u00e4len oder sie anst\u00e4ndig behandeln?<\/p>\n\n\n\n<p>Erwin Lauppert<\/p>\n\n\n\n<p>Abdruck aus anima Nr.1\/2012<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Milchk\u00fche und ihre K\u00e4lber&nbsp; \u2013 Stiefkinder im Tierschutz.Wenistens ein Teil unserer Milchsklavinnen&nbsp; h\u00e4ttee ein besseres Leben, n\u00e4hme sich ein gro\u00dfer Tierschutzverein ihrer an.&nbsp; Nicht wenige KonsumemtInnrn haben&nbsp; ein Herz f\u00fcr K\u00e4lbchen.&nbsp; Sie wollen nicht schuld sein, dass Mutter und Kuhbabv auseinander gerisssen werden. Doch leider, Milch aus muttergebundener K\u00e4lberaufzucht gibt es nicht in den Lebensmittelm\u00e4rkten. 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