{"id":144,"date":"2018-02-08T15:19:44","date_gmt":"2018-02-08T13:19:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umsvieh.at\/?p=144"},"modified":"2018-02-08T15:19:44","modified_gmt":"2018-02-08T13:19:44","slug":"wenn-rinder-weinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umsvieh.at\/?p=144","title":{"rendered":"Wenn Rinder weinen"},"content":{"rendered":"<p><!--\nh2 { margin-top: 0cm; margin-bottom: 0cm; direction: ltr; color: rgb(0, 0, 0); }h2.western { font-family: \"Times\"; font-size: 12pt; font-style: italic; font-weight: normal; }h2.cjk { font-family: \"Times\"; font-size: 12pt; font-style: italic; font-weight: normal; }h2.ctl { font-family: \"Times\"; font-size: 10pt; font-weight: normal; }p { margin-bottom: 0.21cm; direction: ltr; color: rgb(0, 0, 0); text-align: justify; }p.western { font-family: \"Times New Roman\", serif; font-size: 12pt; font-style: italic; }p.cjk { font-family: \"Times\"; font-size: 12pt; font-style: italic; }p.ctl { font-family: \"Times New Roman\", serif; font-size: 10pt; }a:visited { color: rgb(128, 0, 128); }a.western:visited {  }a.cjk:visited {  }a.ctl:visited {  }a:link { color: rgb(0, 0, 255); }\n--><strong>Von der emotionellen Tr\u00e4nensekretion bei Rindern<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Beim St\u00f6bern in alten Unterlagen stie\u00dfen wir auf vor einem guten halben Jahrhundert in tier\u00e4rztlichen Zeitschriften ver\u00f6ffentliche Artikel, die sich mit dem Gef\u00fchlsleben der Rinder befassen.<!--more--> Autor war kein gef\u00fchlsduseliger Tiersch\u00fctzer, sondern ein in Wissenschaft und Praxis t\u00e4tiger Tierarzt, Dr. Franz Krawarik, zuletzt Leiter einer der damals \u00fcblichen Besamungsstationen. Da wir uns vorne mit der Frage der Verbesserung des Loses von Nutzrindern befassen, ist es vielleicht hilfreich, die alten veterin\u00e4rmedizinischen Erfahrungen wieder hervorzuholen.\n<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>Zwei Ansichten sind es<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">, schreibt Krawarik, <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>die unsere Einstellung zu den Tieren <\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">(in der Besamungsanstalt)<\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i> bestimmen:<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>1. Die Stiere sind gleich anderen Haustieren hochentwickelte Lebewesen und haben als solche ausgepr\u00e4gte Individualit\u00e4t mit mannigfachen Eigenschaften, verschiedenen Temperamenten und Anlagen, sie sind demnach voll zu nehmende Tier-Per-s\u00f6nlichkeiten. <\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>2. Die psychische Entwicklung von Bullen ist der menschlicher Kinder vergleichbar und wird gekennzeichnet durch Nat\u00fcrlichkeit ihres Verhaltens. \u00c4hnlich den Kindern sind auch sie meist stumme, aber gute Beobachter und f\u00fcgen sich gerne einer ruhigen, folgerichtigen und liebevollen F\u00fchrung. Wer den Stieren mit aufrichtiger Freundlichkeit, als Lebewesen dem gleichberechtigten Lebewesen entgegenkommt, dem sind sie bald zugetan. Weder \u00fcbertriebene Sympathiebeweise noch unterdr\u00fcckte Furchtgef\u00fchle sind im Umgang mit ihnen angezeigt, sie haben ein feines Empfinden daf\u00fcr wem sie trauen k\u00f6nnen und wer es gut mit ihnen meint.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Der Autor betont dann die vielfach verkannte Wichtigkeit der Art der Unterbringung f\u00fcr die Umgangsm\u00f6glichkeiten mit den Tieren sowie f\u00fcr deren Wohlbefinden und Gesundheit. Er bedauert, dass an seiner Anstalt platzbedingt die Stiere kuhm\u00e4\u00dfig, also dicht nebeneinander angekettet seien und nicht in ger\u00e4umigen Einzelboxen mit Sichtkontakt. Er wendet sich gegen die (damals?) vertretene Meinung, Boxen widerspr\u00e4chen dem Herdeninstinkt und dem Bed\u00fcrfnis gegenseitiger Kontaktnahme. Zwischen dem nat\u00fcrlichen Herdeninstinkt und einer freiwilligen Kontaktnahme in freier Natur und dem Kontakt bei zwangsweisem Zusammengepferchtsein auf engstem Stallraum in angekettetem Zustand sei ein gewaltiger Unterschied. Menschen seien auch gesellig, lebten aber lieber in Einzelzimmern als in Massenquartieren. Es gehe letzten Endes um den notwendigen Lebensraum f\u00fcr das Einzelindividuum und der gr\u00f6\u00dfere Lebensraum biete eben bessere Daseinsm\u00f6glichkeiten. Der Tierarzt zusammenfassend: <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>Das praktisch lebensl\u00e4ngliche Anketten der Bullen im Stall kommt einer halben Fesselung und damit einer Tierqu\u00e4lerei gleich.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Aus den weiteren Ausf\u00fchrungen greifen wir noch einige S\u00e4tze zum psychischen Stallklima heraus. Die zweckm\u00e4\u00dfigste Ern\u00e4hrung und sorgf\u00e4ltigste K\u00f6rperpflege reichten nicht aus, um hoch entwickelte Gesch\u00f6pfe zu williger Mitarbeit und h\u00f6chster Leistungsf\u00e4higkeit zu bringen. Dazu sei \u00e4hnlich wie bei menschlichen S\u00e4uglingen und Kindern ein bedeutsamer psychischer Aufwand notwendig: <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>Unz\u00e4hlige Beweise f\u00fcr den Wert einer zus\u00e4tzlichen psychischen Betreuung ergeben sich bei der Haustierhaltung. In Erkenntnis der Wichtigkeit einer Anteil nehmenden Liebe zur Mitkreatur haben wir uns aus ideellen und rationellen Erw\u00e4gungen schon seit vielen Jahren den Stieren gegen\u00fcber in entsprechende Weise verhalten. <\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Die Ergebnisse: <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>Zeichen von B\u00f6sartigkeit sind uns seit Bestehen der Anstalt unbekannt geblieben. Wenn eigenwillige oder unvertr\u00e4gliche Altstiere in unserer Stallgemeinschaft Aufnahme fanden, so schwanden bald ihre unangenehmen Charakterz\u00fcge von selbst im guten Stallklima der Ordnung, Ruhe, Freundlichkeit und unentwegten F\u00fcrsorge. Die Bullen kommen nicht nur uns, ihren st\u00e4ndigen Betreuern, fast immer mit erhobenem Kopf entgegen, um Liebkosungen zu empfangen, sondern sie tun dies auch bei fremden und oft zahlreichen Besuchern<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">&#8230; Die einfache Antwort: <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>Wir geben den Stieren nie Anlass zu Unmuts\u00e4u\u00dferungen&#8230;..Wir streicheln die Tiere oft und reden gut zu ihnen, das merken sie sich und sie wollen dann diese f\u00fcr sie offenbar angenehme Empfindung wiederholt erleben&#8230;.. <\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">In der inzwischen eingestellten deutschen Zeitschrift S<\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>chutz f\u00fcr Mensch Tier und Umwelt <\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">war vor etwa zwanzig Jahren von einem Experiment zur Merkf\u00e4higkeit von Rindern zu lesen. Ein amerikanischer Tierpsychologe lie\u00df ein weibliches Rind und einen Ochsen in einem Schlachthof in Chicago dem Schlachtvorgang von 150 Rindern zusehen. Dann wurde der Ochse auf eine Separatweide gebracht, die Kuh kam in eine Weideherde. Zwei Jahre sp\u00e4ter brachte der Psychologe die damals beteiligten f\u00fcnf Schlachter zu den Tieren auf das Feld. Der Ochse stutzte, wurde wild und st\u00fcrzte sich schlie\u00dflich angstvoll in den hohen und festen Koppelzaun, wo er verletzt liegen blieb. Die Kuh brach, als sie die M\u00e4nner sah, als einzige aus ihrer Herde aus und floh in panischer Angst. Der absichtlich erst 24 Stunden sp\u00e4ter eingesetzte Suchtrupp fand sie f\u00fcnf Tage sp\u00e4ter 190 Kilometer entfernt bei einer fremden Rinderherde. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">\u00dcber \u00e4hnliches berichtet auch Krawarik:<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Scharnitz, ein sonst sehr lenksamer und gutm\u00fctiger Stier hatte beim Aufsprung die k\u00fcnstliche Scheide verfehlt, und wurde von seinem darob erz\u00fcrnten Aushilfsw\u00e4rter gegen den Widerspruch des Tierarztes grob (mit dem F\u00fchrungsstab am Nasenring) vom Standstier herunter gerissen. Der zweite Versuch der Absamung gelang dann ohne Widerstand. Doch als der W\u00e4rter dann am n\u00e4chsten Tag, als alles schon vergessen schien, den Stier aus dem Gehege holte, griff dieser \u00fcberraschend an und verletzte ihn erheblich. An anderen W\u00e4rtern vergriff sich der Stier w\u00e4hrend seines langj\u00e4hrigen Aufenthalts in der Besamungsstation nie.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Nun zu den Tr\u00e4nen: Pantle, ein \u00e4u\u00dferst ruhiger, gutm\u00fctiges Tier wurde unter Lokalan\u00e4sthesie am Huf operiert, war w\u00e4hrend des Eingriffs zuerst ruhig, begann dann aber beim anschlie\u00dfenden Brennen der Wundfl\u00e4che mit gewaltigen Befreiungsversuchen. Als es ihm nicht gelang, die Fesseln abzusch\u00fctteln, gab der Stier Schluchzen \u00e4hnliche Ger\u00e4usche von sich, wobei ihm dicke Tr\u00e4nen \u00fcber beide Wangen liefen. Der behandelnde Tierarzt meinte, dies w\u00e4re eher Reaktion auf die durch die Fesselung bewirkte Ohnm\u00e4chtigkeit als auf m\u00f6gliche Schmerzen gewesen, denn beim dann fortgesetzten Brennen war er wieder ruhig. Nach beendeter Operation lie\u00df sich Pantle vorerst willig zum Stall f\u00fchren, hielt dann aber pl\u00f6tzlich inne und war nicht mehr zu bewegen, weiterzugehen. Er hob den verbundenen Fu\u00df seinem W\u00e4rter entgegen; erst als dieser das kranke Bein gestreichelt hatte, setzte er den Weg fort. Das setzte sich einige Tage bis zur Verbandsabnahme fort. Ging eine vertraute Person hinter ihm vorbei, drehte er den Kopf nach hinten und hob den kranken Fu\u00df solange empor, bis er gestreichelt wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Ein anderer Stier namens Kajetan war auffallend empfindsam. F\u00fchlte er sich beispielsweise in der Reihung der Futterausgabe benachteiligt, begann er nicht wie sonst sogleich zu fressen, sondern wartete, bis der W\u00e4rter den Stall verlassen hatte. Nach zwei Jahren ausgezeichneter Leistung versagte das Tier unvermittelt ohne klinisch erkennbare Ursache. Nach etlichen vergeblichen Absamungsversuchen in Abst\u00e4nden mehrerer Tage, ein neuer Versuch. Wie zuvor, freudiger Aufsprung, einwandfreie Erektion, doch keine Scheidenannahme und keine Ejakulation. Auf gutes Zureden nochmals Aufspringen voll Elan, Erektion, gleicherma\u00dfen ohne Ergebnis. Nach einem dritten wieder ergebnislosen Versuch wandte Kajetan den Kopf zum Betreuer, dicke Tr\u00e4nen rollten \u00fcber seine Wangen.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Weitere F\u00e4lle: Im elterlichen Anwesen eines Tierarztes gab es vorerst nur eine elfj\u00e4hrige Kuh, Mora, die da die einzige und eine flei\u00dfige Milchgeberin nach allen Regeln verw\u00f6hnt wurde. Als ein neuer Stall gebaut und der Bestand allm\u00e4hlich aufgestockt wurde, erhielt sie den ersten Standplatz. Nach einiger Zeit schritt man aus betriebswirtschaftlichen Gr\u00fcnden zu einer neuen Stallreihung. Der Tierarzt erz\u00e4hlt: <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>Zur Ver\u00e4nderung war die ganze Familie in den Stall gekommen. Unsere Gespr\u00e4che wurden erregt in unmittelbarer N\u00e4he Mora\u2019s gef\u00fchrt und \u00f6fters ist dabei auch der Name der Kuh gefallen. Wir alle konnten uns des Eindrucks nicht erwehren, dass die Kuh unser Reden als etwas f\u00fcr sie Unheil bringendes empfunden hat, denn sie lie\u00df pl\u00f6tzlich die Ohren h\u00e4ngen und zeigte sich verstimmt. Der Platzwechsel wurde durchgef\u00fchrt. Nur mit Gewaltanwendung war sie zum neuen Stand zu bringen. Dort angekommen, sahen wir mit Erstaunen, dass der guten Kuh dicke, runde Tr\u00e4nen aus den Augen \u00fcber die Wange herunterrannen.<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>Wir waren zutiefst betroffen. Der Tr\u00e4nenfluss dauerte l\u00e4nger als eine Stunde. Die Kuh war durch nichts zu tr\u00f6sten, sie blieb teilnahmslos und hielt den Kopf zu Boden gesenkt. Sonst \u00fcber Geb\u00fchr gefr\u00e4\u00dfig, versagte sie jedes Futter und jede Trankaufnahme und war f\u00fcr keinen Leckerbissen empf\u00e4nglich. Erst am n\u00e4chsten Tag fing sie langsam an, sich ins Unvermeidliche zu f\u00fcgen und erst nach Tagen zeigte sie wieder ihr altgewohntes Benehmen.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">\u00a0<span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Ein zweiter Fall handelt von \u201eRassismus\u201c. Eine Braunviehkuh aus einer Braunviehherde kam in einen Alpenfleckviehbestand. Sie ging willig in den Stall, als sie jedoch die Fleckviehk\u00fche sah, stoppte sie und konnte nur mit Gewalt auf ihren Platz gebracht werden. Das bis dahin frische Tier machte pl\u00f6tzlich einen j\u00e4mmerlichen Eindruck und dicke Tr\u00e4nen kullerten \u00fcber seine Wangen. Mehr als zwei Stunden dauerte die Tr\u00e4nenabsonderung. Tagelang fra\u00df und trank die Kuh kaum und zeigte ob der sie bestaunenden Fleckviehrinder sichtliches Unbehagen. Es brauchte lange, bis sie sich an die andersfarbigen Nachbarinnen gew\u00f6hnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Einen dritten Fall erz\u00e4hlte dem Tierarzt eine B\u00e4uerin: <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><i>Meine Kuh Ranke gebar nach einem Abortus mit vier Jahren ihr erstes Kalb. Sie hing voll Mutterliebe an ihrem Spr\u00f6ssling, der in einer eigenen K\u00e4lberbox aufgezogen wurde. T\u00e4glich nach dem Weidegang stand Ranke als erste beim Stalltor. Nach dem \u00d6ffnen machte sie regelm\u00e4\u00dfig einen Umweg zu ihrem K\u00e4lbchen, liebkoste es und ging dann erst auf ihren Platz. Als nach etwa zwei Wochen der Fleischer das K\u00e4lbchen holte und vor den Augen der Kuh aus dem Stall zerrte zeigte diese hochgradige Erregung, wollte sich losrei\u00dfen und ihrem Kalb nachlaufen. Selbst von dem Geschehenen ersch\u00fcttert bem\u00fchte ich mich, die Kuh zu beruhigen und redete ihr gut zu. Es half nicht viel, ich sah gro\u00dfe, dicke Tr\u00e4nen \u00fcber ihre Wangen rollen! Sie senkte schlie\u00dflich den Kopf und blieb bedr\u00fcckt und teilnahmslos. Tagelang wollte das Tier nicht fressen und wochenlang war es mi\u00dfgestimmt. Die Kuh wurde nachher nicht mehr tr\u00e4chtig und musste verkauft werden.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Die weiteren Darlegungen des Tierarztes, neurophysiologischer und ethologischer Natur und zum Vorwurf der Vermenschlichung tierischen Verhaltens, lassen wir beiseite. Die Entwicklung der Wissenschaft hat manche Polemik \u00fcberholt. Und ob Tr\u00e4nen als Ausdruck seelischen Schmerzes beim Tier menschlich oder beim Menschen tierlich sind, ist letzten Endes wenig bedeutsam. Wir halten nur die medizinisch trocken formulierte Analyse des Autors fest: In allen dargestellten F\u00e4llen sei der Tr\u00e4nensekretion ein Erregungszustand, ein Betroffensein \u00fcber eine unangenehme, unbekannte und daher unfassbare Situation vorausgegangen. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">In unserer Zeit, da das Vieh, wie man so sagt, wie Vieh behandelt wird, tun wir gut, uns zu erinnern, dass es seelisches Leid gibt, auch bei Tieren. Wir haben darum die Beispiele gebracht, gegen den Rat eines jungen engagierten Tierfreundes aus der Veterin\u00e4rbranche, der meinte, Tr\u00e4nengeschichten k\u00f6nnten uns verleiten, zu \u00fcbersehen dass sich Tierleid (und Menschenleid) nicht immer in Tr\u00e4nen \u00e4u\u00dfern muss.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Noch ein kleiner Beitrag, den mir eine Kuhmagd erz\u00e4hlte, als es diese Berufssparte noch gab und K\u00fche mit der Hand gemolken wurden: Wenn sie einmal die Leitkuh \u2013 es waren zehn K\u00fche im Stall \u2013 nicht als erste melke, gebe die gleich weniger Milch, so sehr kr\u00e4nke sie sich. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Univ.Prof. (i.R.) Alfred Haiger, eine Ausnahmeerscheinung unter den Professoren der Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur, erz\u00e4hlte einmal von einem amerikanischen Farmer \u2013 lang, lang ist\u2019s her \u2013 der seine Kuh, als sie mit f\u00fcnfzehn Jahren nicht mehr konnte, nicht f\u00fcrs Schlachthaus verkaufte sondern daheim einschl\u00e4ferte und begrub. Das Tier habe ihm viele Jahre treu gedient, mit seiner Milch der Familie Einkommen gegeben, das Studium der Kinder finanziert. \u201eSoll ich ihr wegen schn\u00f6der hundert Dollar die letzten Tage zur Qual machen?\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Wie es heute alten K\u00fchen, oder richtiger gesagt jungen, die es nach im Schnitt etwa sechs Jahren nicht mehr schaffen, gehen kann, steht in einem Mitteilungsblatt der Animal\u2019s Angels, (animals-angels.de), die sich auf Tiertransporte konzentrieren. <\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Christa Blanke, Begr\u00fcnderin und Vorsitzende des Vereins, schreibt:<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">Es ist fr\u00fcher Abend, als mein Telefon klingelt. Sophie ist dran. V\u00f6llig aufgew\u00fchlt erz\u00e4hlt sie mir von Nora. Noras Geschichte ist eine von tausenden, ihr Schicksal ist das einer deutschen \u201aMilch\u2019kuh. Sophie musste mit ansehen, wie Nora, die nicht mehr laufen konnte, mit dem Frontlader auf einen Transporter gezogen wurde, der sie zum Schlachthof bringen sollte. Ihre Beine schleiften \u00fcber den Boden und die Greifklammer um ihre H\u00fcfte zerrte sie brutal \u00fcber den Hof.\u201c\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 E.L.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"right\">(Aus anima Nr.2\/2012)<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif\">s <\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der emotionellen Tr\u00e4nensekretion bei Rindern Beim St\u00f6bern in alten Unterlagen stie\u00dfen wir auf vor einem guten halben Jahrhundert in tier\u00e4rztlichen Zeitschriften ver\u00f6ffentliche Artikel, die sich mit dem Gef\u00fchlsleben der Rinder befassen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[58,124,157,158,180],"class_list":["post-144","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-gefuehlsleben","tag-rinder","tag-traenensekretion","tag-trauer","tag-weinen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/144","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=144"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/144\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=144"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}