{"id":1354,"date":"2025-12-29T15:59:42","date_gmt":"2025-12-29T15:59:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umsvieh.at\/?p=1354"},"modified":"2025-12-29T15:59:42","modified_gmt":"2025-12-29T15:59:42","slug":"und-immer-schockt-das-weib","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umsvieh.at\/?p=1354","title":{"rendered":"Und immer schockt das Weib"},"content":{"rendered":"\n<p>Brigitte Bardot, einst weltber\u00fchmte Filmdiva, sp\u00e4ter au\u00dferhalb Frankreichs nicht so bekannte engagierte Tiersch\u00fctzerin, ist gestern 28. Dezember 2025 mit 91 Jahren gestorben. Hier anstelle eines Nachwuchs ein in der Anima &#8211; Zeitschrift f\u00fcr Tierrechte &#8211; im Jahr 1998 erschienener kleiner Artikel; auch weil gerade wieder eine Petition f\u00fcr ein allgemeines Verbot des Sch\u00e4chtens in Umlauf ist.<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und immer schockt das Weib <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd immer lockt das Weib\u201c hie\u00df einer der Filmstreifen, mit dem die franz\u00f6sische Schauspielerin Brigitte Bardot vor vierzig Jahren das Publikum schockierte (und erfreute), Filme, die man damals als lasziv empfand und heute, ORF-gest\u00e4hlt, als z\u00fcchtig und pr\u00fcde einstufen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter widmete sich die Bardot dem Tierschutz, f\u00fcr viele nicht minder schockierend, da ungew\u00f6hnlich, da\u00df jemand aus der Welt des pelzbehangenen Glanzes, Anh\u00e4ngsel der Oberen, statt <em>auf<\/em> Getretene <em>f\u00fcr <\/em>Getretene eintritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neueste und dritte Schock: die Bardot ist eine Rassistin. Ist sie es?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr unsere Freunde vom Vegetarier Bund Deutschlands (<em>siehe Der Vegetarier Nr.5\/97),<\/em> ja. Und mit deutscher Konsequenz haben sie ihren Name ausgetilgt aus den Ehrentafeln- und -listen, in denen wir Fleischvermeider so gern ber\u00fchmte M\u00e4nner und Frauen, die uns gleichgesinnt, verewigen, zum Nachweis, da\u00df wir keine abwegigen Verr\u00fcckten seien, vielmehr in guter Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorwurf des Rassismus ist ein schwerer Vorwurf, nicht nur doch im besonderen f\u00fcr Tierfreunde, f\u00fcr Tierrechtler, die mit Jane Goodall \u201eMenschenrechte f\u00fcr Menschenaffen\u201c fordern, die den Speziesimus ablehnen, also Lebensrecht auch vierf\u00fc\u00dfigen Wesen zubilligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist angemessen, erst zu pr\u00fcfen und dann zu urteilen. Also was hat BB B\u00f6ses getan?<\/p>\n\n\n\n<p>Hat sie nach dem Ende der nazistischen Gewaltherrschaft die franz\u00f6sische Kolonialherrschaft im fernen Indochina wiederherstellen wollen und damit in weiterer Folge unerme\u00dfliches Leid \u00fcber die dortigen V\u00f6lker gebracht? Hat sie im nicht minder fernen Madagaskar,den Aufstand gegen die franz\u00f6sische Kolonialherrschaft blutig niederwerfen und achtzigtausend Menschen niedermetzeln lassen? Hat sie im Krieg gegen die algerischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung unz\u00e4hlige Greueltaten ver\u00fcben lassen? Hat sie damals algerische Demonstranten in Paris dutzendweise durch die Polizei erschlagen, und die Leichen in die Seine (<em>so die Illustrierte Stern<\/em>) \u201eentsorgen\u201c lassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Zugegeben, Schnee von gestern. Nun dann: die Beg\u00fcnstigung der fr\u00fcheren, Tutsi (und politisch nicht genehme Hutus) mordenden Regierung in Ruanda &#8211; oder wenigstens der florierende franz\u00f6sische Waffenexport &#8211; Landminen, die Kinder verst\u00fcmmeln., Die Bardot auch nicht schuld? Oder, sie ist ja weltbekannt, an der Vernichtung hunderter oder tausender kurdischer D\u00f6rfer in der T\u00fcrkei, indirekt subventioniert vom Westen? Wenn sie schon nicht die Verantwortung f\u00fcr die zahlreichen V\u00f6lkermorde dieses Jahrhunderts tr\u00e4gt, Armenier, Roma, Sinti, Juden, Kambodschaner, Tutsi&#8230;; zum \u2013 den Anklagen August Bebel\u2018s<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup> zum Trotz \u2013 ziemlich vergessenen ersten V\u00f6lkermord, den Machthaber des Deutschen Reiches im 20.Jahrhundert angeordnet haben: hat sie sich wenigstens geweigert, Vertreter der sp\u00e4rlichen Nachfahren dieses Volkes zu empfangen? Nein, das war unl\u00e4ngst der deutsche Bundespr\u00e4sident<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup>. Was liegt der Bardot also zur Last?<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret: Sie f\u00fchrt seit l\u00e4ngerem einen bislang vergeblichen Kampf gegen das massenweise bet\u00e4ubungslose Sch\u00e4chten von Tieren durch Muslims, eine T\u00f6tungsmethode, die sie und nicht nur sie f\u00fcr tierqu\u00e4lerisch h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang gab sie Presse-Erkl\u00e4rungen ab, derentwegen sie im J\u00e4nner von einem Pariser Gericht letztlich zu einer Geldstrafe von 5.000 Franc verurteilt wurde. In der Begr\u00fcndung des Gerichts hie\u00df es (laut Agenturmeldung), Bardot habe eine Parallele zwischen dem islamischen Opferfest Aid al-Kebir und der Erw\u00fcrgung von Menschen in Algerien gezogen und die gesamte muslimische Bev\u00f6lkerung daf\u00fcr verantwortlich gemacht. Das Gericht warf ihr Verallgemeinerung und Vermischung der Tatsachen vor. Bardots Behauptung, da\u00df solche Verbrechen bald in Frankreich begangen w\u00fcrden, sei eine Anstiftung zum Ha\u00df auf die Muslime.<\/p>\n\n\n\n<p>Die inkriminierte Erkl\u00e4rung lautete (nach Agenturberichten):<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Einmal mehr &#8211; einmal zu viel &#8211; wird der Aid el Kebir Frankreichs Erde mit dem Blut der gesch\u00e4chteten Schafe besudeln, die von \u00fcberall und nirgends kommen, um eine moslemische Tradition zu befriedigen, die sich seit Jahren als franz\u00f6sisches \u201aFest\u2018 breit macht, geachteter noch als unser Pfingsten oder Himmelfahrt\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit indirektem Hinweis auf die Ereignisse in Algerien meinte sie ferner: <em>\u201eMan schneidet Frauen und Kindern die Kehlen durch, die unserer M\u00f6nche, unserer Beamten, unserer Touristen und unserer Schafe, man wird uns eines Tages die Kehle durchschneiden, und wir werden es verdient haben. Warum nicht ein moslemisches Frankreich mit einer nordafrikanischen Marianne &#8211; soweit, wie wir schon sind?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bardot hatte sich zu ihren Erkl\u00e4rungen vor einiger Zeit in einem Interview gerechtfertigt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Solange es die franz\u00f6sische Regierung zul\u00e4\u00dft, da\u00df Schafe ohne Bet\u00e4ubung geschlachtet werden &#8211; was gegen das Gesetz verst\u00f6\u00dft, f\u00fcr das ich f\u00fcnfundzwanzig Jahre lang gek\u00e4mpft habe-, werde ich wild! Die Moslems k\u00f6nnen machen, was sie wollen, nur sollen sie mit diesem Massaker aufh\u00f6ren. Also, wie kann man da von Rassismus reden? Und andererseits waren zum Beispiel die J\u00e4ger und Pferdemetzger, die mit blutigen Messern zu mir gekommen sind, um mir die Haut abzuziehen, keine Moslems, darum ging es nicht. Und bei der Sache mit den Seehundbabys waren es Kanadier. Damals hat man mich auch nicht als Rassistin<\/em> <em>bezeichnet. Aber solange man das Leben respektiert, ist f\u00fcr mich alles in Ordnung.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben Ihnen Fakten unterbreitet, die Wertung, ob hier ein Aufruf zum Rassenha\u00df vorliegt oder engagiertes Eintreten gegen Tierqu\u00e4lerei oder die Angst, Fremde in der Heimat zu werden, liegt bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Rassismus vorgeworfen wird \u2013 um hier anzukn\u00fcpfen &#8211; der Bardot im deutschen \u201eVegetarier\u201c auch, sie habe von einem \u201e\u00fcberm\u00e4\u00dfigen Zustrom von Ausl\u00e4ndern, insbesondere Moslems\u201c geschrieben. Wie halten es da die anderen? Unsere \u00f6sterreichische Regierung sperrte nach Ausbruch des bosnischen Krieges, kaum das eine im Verh\u00e4ltnis zur Zahl der Algerier in Frankreich geringf\u00fcgige Zahl von Bosniern, insbesondere Moslems zu uns geflohen waren, alsogleich die Grenze gegen die in konkreter Lebensgefahr schwebenden Kriegsfl\u00fcchtlinge (wof\u00fcr ich mich als \u00d6sterreicher sch\u00e4me). Seit Jahren ist unser Bundesheer aufgeboten, um den Zustrom von Ausl\u00e4ndern zu unterbinden. Der deutsche Bundeskanzler Kohl wandte sich gegen die Gew\u00e4hrung der (Doppel)Staatsb\u00fcrgerschaft an in Deutschland lebende T\u00fcrken, weil \u201e<em>dann h\u00e4tten wir in kurzer Zeit statt drei Millionen vier, f\u00fcnf, sechs Millionen T\u00fcrken in unserem Land<\/em><sup><em><a href=\"#sdfootnote3sym\" id=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/em><\/sup><em> 7<\/em>); und die USA, ein im Verh\u00e4ltnis zu Mitteleuropa d\u00fcnn besiedelter Staat ?<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ist da noch der Vorwurf der Verallgemeinerung. <em>Die <\/em>Algerier, <em>die <\/em>Serben, <em>die <\/em>Albaner, <em>die <\/em>Deutschen, <em>die <\/em>\u00d6sterreicher usw. sind schuld. Zweifellos eine schmerzliche Ausdrucksweise, in der der Ungeist des Nazismus lebt, der in Rassen und V\u00f6lkern rechnete, und dem der einzelne Mensch nichts war. Viktor Frankl, dem die Gemeinde Wien erst sp\u00e4t die Ehrenb\u00fcrgerw\u00fcrde verlieh, meinte einmal:<em> es gibt auf Erden zwei Menschenrassen, aber auch nur diese beiden. Die \u201eRasse\u201c der anst\u00e4ndigen Menschen und die der unanst\u00e4ndigen Menschen. Und beide \u201eRassen\u201c sind allgemein verbreitet: In alle Gruppen dringen sie ein und sickern sie durch; keine Gruppe besteht ausschlie\u00dflich aus anst\u00e4ndigen und ausschlie\u00dflich aus unanst\u00e4ndigen Menschen,..<\/em><sup><em><a href=\"#sdfootnote4sym\" id=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a><\/em><\/sup> Leider sind die vorweg angef\u00fchrte Verallgemeinerungen, und es scheint so manchmal durchaus beabsichtigt im politischen Leben h\u00e4ufig geworden, ob von Politikern wie Vranitzky, ob von Journalisten, u.a. gerade in Journalen, die sich als Vork\u00e4mpfer gegen Rassismus verstehen. Selbst wenn die Wortwahl BB\u2018s mehr als die umgangssprachlich \u00fcbliche Wortschlamperei w\u00e4re, was ich nicht glaube, sie w\u00e4re nicht allein. Alles in allem, sie tut nichts, was viele als ehrenwert anerkannte Politiker und Journalisten auch tun, mit vielleicht manchmal einem Unterschied zu dem einen oder anderen. Sie k\u00e4mpft aktiv f\u00fcr Gequ\u00e4lte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten uns durch \u201eHaltet den Dieb\u201c-Rufer nicht ablenken lassen. Worum geht es im Kern. Kulturen sind, ob geographisch, ob zeitlich, verschieden. Was in der einen nach mehr oder minder herrschender Anschauung religi\u00f6se, moralische Pflicht ist, gilt in der anderen als Verbrechen oder verabscheuungsw\u00fcrdig. Es ist meiner Meinung nach unser Recht und unsere Pflicht, in unserem Machtbereich solchem entgegenzutreten. In manchen Kulturen ist es Gebot, den M\u00e4dchen ohne Bet\u00e4ubung die Klitoris oder auch die Schamlippen abzuschneiden, und wenn sie sich sp\u00e4ter den Moralvorstellungen widersetzen, auch die Kehle, so wie den Schafen, ohne Bet\u00e4ubung. Erst k\u00fcrzlich wurde in \u00d6sterreich ein Vater verurteilt, weil er seine unbotm\u00e4\u00dfige Tochter \u201eden Bosporus hinunterschwimmen\u201c lie\u00df. \u00c4hnliches auch in Frankreich. Ich hielte es f\u00fcr l\u00e4cherlich, deshalb die Richter als Rassisten zu verunglimpfen, m\u00f6gen sich die betroffenen T\u00e4ter auch unverstanden f\u00fchlen. Ebensowenig verdienen Feministinnen, die gegen den blutigen Brauch der Beschneidung ank\u00e4mpfen, das Schimpfwort Rassistinnen und dasselbe mu\u00df auch f\u00fcr diejenigen gelten, die gegen Tierqu\u00e4lerei demonstrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Erwin Lauppert<br>In Anima &#8211; Zeitschrift f\u00fcr Tierrechte &#8211; Sommer 1998<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brigitte Bardot, einst weltber\u00fchmte Filmdiva, sp\u00e4ter au\u00dferhalb Frankreichs nicht so bekannte engagierte Tiersch\u00fctzerin, ist gestern 28. Dezember 2025 mit 91 Jahren gestorben. Hier anstelle eines Nachwuchs ein in der Anima &#8211; Zeitschrift f\u00fcr Tierrechte &#8211; im Jahr 1998 erschienener kleiner Artikel; auch weil gerade wieder eine Petition f\u00fcr ein allgemeines Verbot des Sch\u00e4chtens in Umlauf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[407,408,128],"class_list":["post-1354","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-brigitte-bardot","tag-rassismus","tag-schaechten"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1354","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1354"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1354\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1355,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1354\/revisions\/1355"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1354"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1354"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umsvieh.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1354"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}